Bjarne Melgaard

A Kidwhore In Manhattan – A Novel
November 1, 2008 - January 31, 2009

Die Galerie Guido W. Baudach freut sich, nach 2006 ihre zweite Einzelausstellung des norwegischen Künstlers Bjarne Melgaard zu präsentieren. Der 1967 geborene, in New York lebende Künstler hat seit Beginn der 90er Jahre mit vielschichtigen Raumcollagen und Ausstellungsinszenierungen auf sich aufmerksam gemacht. In seinen Werken vermischt er subkulturelle Phänomene mit Hochkultur und Kunstgeschichte; der Kunst fern liegende Dinge mit den klassischen Medien der Malerei, Zeichnung und Skulptur; persönliche Erfahrungen mit abstrakten Identitätskonstruktionen; den Glamour einer fetischisierten Waren- und Luxuskultur mit den existentiellen Abgründen einer brutalen Realität. Dabei werden nicht selten Erwartungshaltungen gebrochen und normative Grenzen, seien sie inhaltlich, formal oder ästhetisch, überschritten. Bjarne Melgaard bewegt sich an den extremen Polen - und bringt sie zusammen. Er eignet sich die Dinge kompromisslos an, überführt sie in neue Kontexte und formuliert dabei eine eigenständige Form künstlerischen Arbeitens radikal aus.

In der Ausstellung A KIDWHORE IN MANHATTAN – A NOVEL präsentiert Melgaard eine imposante Installation aus Gemälden, Zeichnungen, Photographien, Videos, Neon-Poems sowie Möbel-Design-Klassikern und erzählt dabei fragmentarisch die Geschichte eines jugendlichen Prostituierten, dessen Rolle er bisweilen selbst zu übernehmen scheint. Chaos, Gewalt und Exzess, Verletzungen und Abhängigkeiten sowie emotionale Ambiguität tauchen als beständig wiederkehrende Motive an verschiedenen Stationen dieser Novelle auf.

Die großformatigen, expressiven Gemälde beherrschen die Wände der Galerie und zeigen die aus Melgaards Oeuvre bekannten Figuren, die auch als Selbstbildnisse interpretiert werden können: das Cockmonster, das von seinen sexuellen Trieben gesteuert wird und der Chihuahua, der zumeist eine tiefe Traurigkeit und Verletzlichkeit vermittelt. Dicke schwarze Linien, die die Charaktere umreißen, überlappen sich mit tiefschwarzen Wörtern tagebuchähnlicher Textpassagen oder Briefen, die in verschiedenen Kapiteln bruchstückhaft die Geschichte eines geschundenen Körpers erzählen. So wie Melgaard dabei radikal Körperbilder und existenzielle Problematiken menschlicher Beziehungen beschreibt, verfährt er auch mit dem Medium der Malerei selbst: es entfaltet hier seine ganze Kraft und Materialität. Die monochromen Gemälde, die die Ausstellung durchziehen, und die Text und Figuren nur schwerlich erkennen lassen, lockern diese formale Direktheit auf: sie wirken eher wie traumartige und unterbewusste Sequenzen.

Der Raum der Galerie ist mit modernen Tischen von Paolo Piva und Sitzmöbeln bestückt, die von Friedrich Kiesler designed und mit Stoffentwürfen von Melgaard bezogen sind. Darunter finden sich die Bed Couch, der Correalistische Rocker und das Correalistische Instrument. Letztere schälen sich in unterschiedlichen Positionen wie Skulpturen aus dem Boden der Galerie. Die correalistischen Möbel sind um die Tische herum angeordnet, auf denen zahlreiche Chihuahua-Zeichnungen und homoerotische Photographien – teilweise hart an der Grenze zur Pädophilie – scheinbar wahllos verteilt herumliegen und brutal mit Skalpellen auf die Tischplatte gepinnt sind. Das Video, die Photographien und Zeichnungen, die sich im Stoffdesign und in den Neon-Poems („If you wanna rape me don’t make it feel like a disapointment“ [sic!] / „The world is full of rich corrupted cunts“) spiegeln, finden zu ihrer vollen Bedeutung erst im Kontext der gesamten Ausstellung und füttern so immer wieder neue fragmentarische Elemente in eine nie enden wollende Geschichte ein.
         
         
Bjarne Melgaard hat sich u.a. an folgenden Gruppenausstellungen beteiligt: Paul Thek – Werkschau im Kontext zeitgenössischer Kunst, ZKM, Karlsruhe / Sammlung Falckenberg, Hamburg (2007/2008), Euro-Centric. Part 1, Rubell Family Collection, Miami (2007), Beneath the Underdog, Gagosian Gallery, Madison Avenue, New York (2007), PLAYLIST, Palais de Tokyo, Paris (2004).

Einzelausstellungen fanden u.a. in folgenden Institutionen und Galerien statt: Greene Naftali Gallery, New York (2008), Hallo Maybe, Haugar Vestfold Museum, Oslo  (2005), Scam, Bergen Kunsthall (2003), Black Low, MARTa Herford (2002).