“Where higher beings commanded, …“ - Heinrich Nüsslein & Friends
March 7 - April 13, 2019

Die Galerie Guido W. Baudach freut sich, unter dem Titel „Wo höhere Wesen befahlen, ...“ eine seltene Bilderserie des medialen Malers Heinrich Nüsslein (1879 – 1947) zu präsentieren. Der ursprünglich aus einer Berliner Sammlung stammenden Gruppe von expressiv-fantastischen Landschafts- und Porträtgemälden des wenig rezipierten Außenseiters werden Arbeiten einiger ausgewählter zeitgenössischer Künstler zur Seite gestellt, deren jeweilige Praxis, neben der gemeinsamen Vorliebe für bestimmte klassische Sujets und unkonventionellen Gestaltungsformen, vor allem durch die Neigung zur intuitiven Setzung eine gewisse Nähe zu Heinrich Nüsslein aufweist, darunter Gotscha Gozalishvili, Thomas Helbig, Andy Hope 1930, Erwin Kneihsl, Markus Selg und Thomas Zipp.

Doch während Nüsslein in okkultem Aberglauben der Überzeugung anhing, in seinen Bildern übersinnliche Eingebungen aus der Geisterwelt auszuführen, trifft man bei den genannten Künstlern der Gegenwart auf keinerlei esoterische Verstiegenheit. Vielmehr praktizieren sie eine rational-kalkulierte Offenheit gegenüber Momenten des Grund- bzw. Absichtslosen und Zufälligen innerhalb des eigenen Schaffensprozesses; eine Offenheit, welche sie ebenso selbstverständlich wie pathosfrei für ihre Kunst nutzbar machen; ganz ähnlich, wie dies bereits die Surrealisten und andere Künstler der Moderne und Postmoderne mit ausdrücklichem Bezug, insbesondere auf die Art brut, praktiziert haben; allerdings ohne die dabei häufig anzutreffende Ironie und Selbstgefälligkeit, sondern mit echtem professionellen Interesse und aufrichtigem kollegialem Respekt für die Kunst von sogenannten Außenseiterkünstlern wie Heinrich Nüsslein.

Nüsslein, der in Nürnberg als Sohn eines Kunsthandwerkers geboren wurde, begann sein mediumistisches Kunstschaffen Mitte der Zwanziger Jahre. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits fünfundfünfzig Jahre alt und führte das bürgerliche Leben eines recht wohlhabend gewordenen Antiquitätenhändlers und glücklichen Familienvaters. Für bildende Kunst hatte er sich schon immer interessiert, insbesondere für Malerei, und zumindest in jungen Jahren hatte er auch durchaus ernsthafte Ambitionen auf eine entsprechende Karriere gehegt. Doch wirtschaftliche Zwänge sowie vor allem eine stark eingeschränkte Sehkraft, die ein Arbeiten nach der Natur zeitlebens unmöglich machte, hatten den Versuch, eine klassische Ausbildung als Kunstmaler abzuschließen, gleich mehrfach scheitern lassen. Die Inspiration zur Wiederaufnahme der künstlerischen Arbeit verdankte Nüsslein spiritistischen Kreisen, mit denen er eher zufällig über einen Geschäftskunden, der bei ihm alte Gemälde kaufte, in Kontakt kam. Die Begegnung mit der medialen Malerei dürfte ihm als unerwartete Chance bzw. schicksalhafte Fügung erschienen sein, doch noch als Künstler zu reüssieren, wenn auch etwas abseits des traditionellen Kanons.

Die althergebrachte Kunstauffassung hatte die noch junge Moderne allerdings bereits gründlich auf den Kopf gestellt. Abgesehen von der inzwischen schon allgegenwärtigen Abstraktion und dem Nachhall der Ende des 19. Jahrhunderts äußerst populären Geisterfotografie waren es vor allem zwei aktuelle Strömungen innerhalb der Kunst und Kunsttheorie, die der medialen Malerei und ihrer Rezeption im Laufe der frühen Zwanziger Jahre besonders förderlich wurden; zum einen die jüngst erfolgte Erhebung einer anderen Außenseiterkunst, der „Bildnerei der Geisteskranken“ in den Kunstrang durch den Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn, zum anderen - unmittelbar durch Prinzhorn beeinflusst – die Ausbreitung der surrealistischen Kunstauffassung, die den „psychischen Automatismus (...) ohne jede Vernunft-Kontrolle“ zu ihrem obersten Prinzip erklärte.

Dieser Vorgabe folgte in gewissem Sinne auch Heinrich Nüsslein, als er 1924 damit anfing, Bilder und Texte anzufertigen, die ihren Ursprung nicht in seinem Bewusstsein haben sollten. Doch während die Surrealisten aus dem eigenen Unbewussten zu schöpfen versuchten, suchte Nüsslein den Quell der Inspiration außerhalb seiner selbst, bei übersinnlichen Wesen. Er selbst erklärte, dass er die Ausschaltung des eigenen Egos zum Zwecke der automatischen Verfertigung von Texten und Bildern ganz gezielt habe einüben müssen; ähnlich wie dies beim Meditieren der Fall ist. Der Schwerpunkt lag dabei eindeutig bei der Malerei, der die Texte im Sinne von zugehörigen Kommentaren bzw. Erläuterungen nachgeordnet waren. Und Nüsslein, insofern ganz Vertreter der Moderne, entwickelte durch seinen experimentellen Umgang mit dem Material eine ganz eigene Technik, eine Lasurmalerei, die er selbst als „Farbradierung“ bezeichnete. Dabei trug er stark verdünnte Farbe, zumeist Öl, auf einen Bogen Lackpapier oder Pappe auf und arbeitete dann mit kleinen Stoffknäueln, Wattebäuschen oder auch den eigenen Fingerspitzen in raschem Tempo seine Motive aus, welche er bisweilen sogar noch partiell mit Goldstaub belegte; all dies einerseits auf der Basis eines selbstangeeigneten malkundlichen Fachwissens im Dienste der Haltbarkeit seiner Werke, andererseits vorzugsweise im Halbdunkel durchgeführt, ohne Hinzuschauen und im lockeren Gespräch mit anwesenden Personen. Aus der Not seines nur schwachen Augenlichts, die eine klassische Malerkarriere verhindert hatte, machte er somit als medialer Maler eine Tugend. Verschiedene Berichte von Augenzeugen belegen, welch großen Eindruck Nüssleins Malperformance auf Zuschauer machte. Insbesondere die Schnelligkeit, mit der er seine Bilder anfertigte, gab immer wieder Anlass für ungläubiges Staunen beim Publikum. Nüsslein selbst stellte die Geschwindigkeit des Malprozesses in direkten Zusammenhang zur Qualität seiner Bilder, d.h. desto weniger Zeit er beim Malen benötigte, um so besser musste das jeweilige Bild gelungen sein. Idealerweise sollte es auch in nur einem Zug gemalt sein. Dementsprechend unterzog Nüsslein seine Werke auch erst nach Beendigung des Malprozesses einer bewertenden Betrachtung und nahm dann eher selten noch Retuschen oder Ergänzungen vor.

Die so entstandenen Bilder, ausschließlich Landschaften und Porträts, sind, was Farbgebung, Licht, Perspektive und Komposition betrifft, oftmals geradezu virtuos ausgeführt. Gleichzeitig weisen sie stark stereotype und repetitive Momente auf, was sowohl die Landschaften als auch in noch stärkerer Form die Personenbildnisse mit ihren durchgängig strengen, teils finsteren Gesichtsausdrücken betrifft. Beide Bildtypen, Landschaft wie Porträt, stellen stets Vergangenes dar, seien es verstorbene Personen oder deren einstige Aufenthaltsorte. Reale Ähnlichkeit oder naturgetreue Wiedergabe waren dabei keine relevanten Parameter. Ausschlaggebend war allein die Intensität des Ausdrucks.

Ein großer Teil von Nüssleins Bildern zählt zu der von ihm selbst so bezeichneten Kategorie der „Kontaktbilder“. Darunter verstand er Gemälde, deren Aufbau und Inhalt ihm durch den Kontakt mit einer Person, einem Stück Musik oder Literatur „eingegeben“ wurde. Nüsslein glaubte an Reinkarnation, Karma und übersinnliche Kräfte, ohne offenbar je einer bestimmten esoterischen oder parapsychologischen Gruppierung angehört zu haben. Er verfasste mehrere Schriften, in denen er sich zur Genealogie seiner medialen Kunst äußerte. Relativ unreflektiert bezeichnete er diese mal als „metaphysische“ mal als „psychische Malerei“, und sich selbst als „intuitiven Bilderschreiber“. Das wesentliche Merkmal seiner Werke blieb jedoch stets das Fantastische der zugrundeliegenden Bildwelt.

Was die Einordnung in die Kategorien Außenseiter einerseits, professioneller Künstler andererseits betrifft, saß und sitzt Heinrich Nüsslein mit seinem Werk buchstäblich zwischen allen Stühlen. Den Puristen der Art brut waren und sind die Arbeiten sowie auch ihr Schöpfer zu stark künstlerisch vorgeschult, um Anerkennung zu finden. Den Vertretern der akademisch geprägten Kunst dagegen war und ist beides, sofern Nüsslein ihrerseits überhaupt je Beachtung fand, meist schlichtweg obskur.

Nüsslein arbeitete allerdings auch für ein spezielles Publikum, welches in der Hauptsache aus Spiritisten und anderen Esoterikern mit Affinität zur Kunst bestand. In den entsprechenden Kreisen war er zu Anfang der 1930er Jahre sogar eine kleine Berühmtheit, die nicht zuletzt im Ausland von Brüssel und Paris über London bis nach New York mit Ausstellungen und anderen Ehrungen derart für ihr außergewöhnliches Schaffen gewürdigt wurde, dass unter Parapsychologen in Deutschland bereits vom „Phänomen H. Nüsslein“ die Rede war. Der Machtübernahme der Nationalsozialisten stand Nüsslein wie viele andere Anhänger des Okkulten zunächst sehr positiv gegenüber. Schon bald musste er jedoch feststellen, dass seine Arbeiten im Dritten Reich als „undeutsch“ und „entartet“ eingestuft und mit Ausstellungsverbot belegt wurden, woraufhin er sich Mitte der Dreißiger Jahre in ein kleines Dorf im Chiemgau zurückzog, wo ihn der staatliche Verfolgungs- und Kontrollapparat, anders als im heimischen Nürnberg, offenbar weitestgehend in Ruhe ließ.

Von mehreren tausend Bildern, die Nüsslein im Laufe seines medialen Schaffens erstellt hat, und von denen er zumindest zeitweilig einen ansehnlichen Teil in seinem weitläufigen Privathaus der Öffentlichkeit zugänglich machen konnte, sind jedoch nicht zuletzt in Folge der Beschlagnahmung durch die NS-Diktatur und die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs nur vergleichsweise wenige erhalten geblieben, in der Hauptsache ehemalige Auftragsarbeiten aus Privatbesitz. Dazu zählen auch jene Werke, die in der Ausstellung zu sehen sind. Es handelt sich um mehrere Landschaften und Porträtbilder, die vor einiger Zeit im Berliner Straßentrödelhandel aufgetaucht sind. Sie stammen ursprünglich aus dem Besitz einer gewissen Anna Staudinger aus Berlin-Adlershof. Ebenfalls ausgestellt sind die dazugehörigen, von Nüsslein als „Legenden“ bezeichneten Bildbeschreibungen in automatischer Text-Manier, die mit Schreibmaschine auf dem vorgedrucktem Briefpapier des selbsternannten „Malers und Schriftstellers des Übersinnlichen“ abgefasst sind. Nüsslein fertigte die Mehrzahl der Bilder und Texte sehr wahrscheinlich nicht im direkten Beisein der „Kontaktperson“ Anna Staudinger an, sondern auf der Grundlage von Schriftproben und Fotos von ihr. Mindestens zwei Mal scheint es jedoch zu persönlichen Begegnungen inklusive Bild- und Textanfertigungen gekommen sein, und zwar im September 1938 sowie im November 1939, jeweils in Berlin. Den fertigen Arbeiten legte er die ebenfalls ausgestellte Autogrammkarte mit der Schwarzweißaufnahme eines zweifellos bei einem akademisch geschulten Kollegen in Auftrag gegebenen Porträtgemäldes bei, das ganz im Stile der Neuen Sachlichkeit gehalten war, nur mit einer in diesem Kontext doch sehr ungewöhnlichen Geisterhand oben rechts im Bild, die gleichsam aus dem Dunkel kommend über Nüssleins Schulter schwebt.

Insgesamt fertigte Nüsslein je sieben Landschaften und Porträts für seine Berliner Auftraggeberin an. Zunächst entstand beim ersten persönlichen Zusammentreffen Ende September 1938 ein einzelnes Porträt, bei dem Nüsslein das Wort „Segen“ unten rechts in die Farbe ritzte und in der Legende erläuternd darauf hinwies, das dargestellte Konterfei sei ein „Bilde des Friedens“, das seine Adressatin erfreuen und behüten möge. Ob das Bild Anna Staudinger selbst in einem früheren Leben oder eine andere konkrete Person zeigen soll, geht aus dem Text nicht hervor. Sicher ist jedoch, dass Anna Staudinger derart angetan war, dass sie nur ein Jahr später eine ganze Bilderserie in Auftrag gab, und zwar eine sogenannte Karmaschau, welche die Auftraggeberin anhand von sechs Porträts und sechs zugehörigen Landschaftsbildern in gleich sechs früheren Inkarnationen nebst ihren entsprechenden Wirkungsstätten zeigen sollte. Nähere Erklärungen lieferten auch hier entsprechende Bildlegenden in gewohnt pathetisch-kryptischem Sprachjargon.

Leider sind von den ursprünglich insgesamt zwölf Bildern nur neun, fünf Porträts und vier Landschaften, erhalten. Diese sind in der Ausstellung so präsentiert, dass Leerstellen in der Hängung die Lückenhaftigkeit der Überlieferung nachvollziehbar machen. Aus den ebenfalls im Original ausgestellten Bildbeschreibungen geht in genauer Abfolge von 1 bis 12 hervor, was wir auf den Bildern sehen bzw. in den Fällen, in denen diese nicht mehr vorhanden sind, eben nicht mehr sehen, z.B. eine frühere Inkarnation von Anna Staudinger als Priesterin eines Sonnenkults im alten Mexiko, als Sportlehrerin im „Reiche der Lemuren“, als Friedensstifterin in Zeiten der Cherusker, als Baumeister männlichen Geschlechts im fünften Jahrtausend v. Chr. sowie als Tempeldienerin auf dem Planeten Mars. Über die Zuordnung von Bild und Text konnte auch die Identifikation der Fehlstellen des Nüsslein Konvoluts aus dem ehemaligen Besitz von Anna Staudinger geleistet werden.

Wie Heinrich Nüsslein selbst in einer seiner Schriften ausführt, hat er in den Dreißiger Jahren des Öfteren solch zwölfteilige Karmaschauen erstellt, die ihm zufolge „in ihrer Reihenfolge ganz eigenartige Aufklärungen“ zu den Reinkarnationen einer Person gaben. Bislang war jedoch von erhaltenen Serien dieser Art nichts bekannt. Die Karmaschau von Anna Staudinger stellt somit, wie es scheint, trotz ihres fragmentarischen Erhaltungszustands, eine absolute Rarität dar. Möglicherweise ist sie sogar die einzige in großen Teilen erhaltene Karmaschau von Heinrich Nüsslein überhaupt.

Eine weitere Landschaft, die Nüsslein nur wenige Wochen später, im November 1939, bei einem erneuten Berlin-Aufenthalt möglicherweise in Ergänzung zu seinem ersten für Anna Staudinger gemalten Porträtbild erstellte, ist leider ebenfalls nicht erhalten. Lediglich die Bildlegende, die von einem „Tempel aus dem Maja-Kult in den heiligen Gärten“ spricht und die hier allein, auf sich gestellt, und ohne malerische Visualisierung zu sehen ist, ist noch vorhanden.

Sämtliche Bilder aus dem ehemaligen Besitz von Anna Staudinger weisen auf Nüssleins kunsthistorische Vorbilder hin: vom Symbolismus über Expressionismus bei den Porträts bis hin zu ostasiatischer Seiden- und Fingermalerei sowie zum Jugendstil bei den Landschaften. So sehr Nüsslein jedoch durch ihm bekannte Kunstwerke und Stilrichtungen inspiriert war, so sehr war er doch auf einen eigenen, innovativen Ansatz bedacht, was sowohl an seinem selbstreferentiellem Umgang mit dem Material als auch am Einsatz unkonventioneller Techniken deutlich wird. Heinrich Nüsslein betrieb einen ritualisierten, von Wiederholung von Stilmitteln und Motiven geprägten und gleichzeitig gestischen Malvorgang, in dem die Farbe ganz im Sinne der modernen Abstraktion eine Qualität an sich darstellt. Insofern ist Heinrich Nüsslein, der zwar in einigen insbesondere auf die Kunst von Außenseitern spezialisierten Sammlungen vertreten ist und auch von späteren Künstlern wie beispielsweise Arnulf Rainer nachdrücklich rezipiert wurde, nicht nur ein herausragender Protagonist der medialen Kunst, sondern auch ein durchaus bemerkenswerter Maler der Moderne, der heute zu Unrecht weitgehend vergessen ist.

Die ausgestellten Arbeiten der verschiedenen zeitgenössischen Künstler liefern durchweg einen repräsentativen Ausschnitt aus ihrem jeweiligen Werk und wurden in ihrer überwiegenden Mehrzahl auch nicht eigens für die Ausstellung hergestellt. Sie sind ebenso kleinformatig wie die gezeigten Bilder von Heinrich Nüsslein, umfassen jedoch neben der Malerei auch die Medien Fotografie, Zeichnung und Collage.

So zeigt etwa der in Berlin lebende Georgier Gotscha Gozalishvili eine vielfarbige Vermalung aus dem Jahr 2005, die im Landschaftsformat gehalten ist, doch ganz entfernt auch an ein Porträt denken lässt, während Thomas Helbig in einer aktuellen Papierarbeit, die Frottage- und Zeichentechniken ebenso kombiniert wie figürliche und abstrakte Momente, das Bildnis einer offenbar vielgestaltigen, multiplen Persönlichkeit aufscheinen lässt. Das Gemälde Dark Times, 2013 von Andy Hope 1930 liefert dagegen ein mit Collageanteilen versehenes Porträtgemälde, das einem dystopisch-surrealen Sci-Fi-Comic entstammen könnte. Die Fotocollage von Erwin Kneihsl, Ohne Titel (Kreuze I), 2009 inszeniert das dramatische Setting an einem berühmten litauischen Wallfahrtsort in körnigen Schwarzweiß-Kontrasten als endzeitliches Landschaftsbild. Markus Selg wiederum entwirft in seiner am Computer erstellten Malerei Messina aus dem Jahr 2010 ein Terrain, das nicht weniger fantastisch erscheint, als die von Heinrich Nüsslein gestalteten Naturszenerien. Und Thomas Zipp evoziert in seinem Porträtgemälde A.F.: Magic Square Face von 2019 den Eindruck der völligen Auflösung des individuellen menschlichen Antlitz’ zugunsten eines (pseudo-)wissenschaftlichen Prinzips.